Abwarten und Teetrinken – 2. Tag Tanger
Der nächste Morgen begann wie der letzte aufgehört hatte, es regnete in Strömen. Regen in Tanger im Winter heißt, dass der gesamte Unrat der Straßen von reißenden Bächen weggespült wird. So begaben wir uns froh gelaunt mit unserem gesamten Gepäck, was bereits am Vorabend auf dem Fussmarsch zum Hotel völlig durchnässt worden war, wieder auf den Weg zum Hafen. Vorbei an den freundlichen Polizisten, die scheinbar schon das ganze Geld, was wir ihnen am Vortag zugesteckt hatten, unter das Volk gebracht hatten und dringend Neues brauchten, bevor Sie uns passieren lassen konnten. Aber gut, die Tradition des „Bakschisch“ war uns mittlerweile bekannt.
Wie am ersten Tag hatten wir uns auch dieses Mal wieder aufgeteilt. Ich sollte Abdel bei dem Spießrutenlauf durch die Ämter begleiten. Die anderen beiden warteten bei den Fahrzeugen. Unser marokkanischer Helfer kalkulierte für die restlichen Formalitäten ein bis zwei Stunden ein. Letztendlich wurde daraus ein ganzer Tag, ohne dass wir wirklich weitergekommen waren. Uns blieb nichts anderes übrig, wir mussten es am nächsten Tag erneut versuchen.
Bevor wir uns abends wieder den herrlichen Kostbarkeiten der marokkanischen Küche hingaben, zogen wir unser Resümee des Tages. Wir hatten den Ursprung einer alten Redensart erkundet, bedenkliche Mengen an Tee gekostet, Bekanntschaft mit unzähligen Leuten im Hafen gemacht, die marokkanische Volkswirtschaft fast im Alleingang angekurbelt und uns an das Tragen nasser Klamotten gewöhnt. Zufrieden freuten wir uns auf eine geruhsame Nacht in unserem unbeheiztem Hotel.
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