Eine Produktion von taglicht media

Mo 3. März 2008

Fünfter Drehtag NRW (Düren)

Klappe 5. Drehtag in DürenSamstag früh um sieben Uhr stehe ich in der Hotellobby und warte auf Bjarne Henriksen. Ob er heute drehen kann, ist völlig unklar. Der Freitag war drehfrei. Offensichtlich war bei Bjarne die verschleppte Erkältung in dem Moment, als die Anspannung der vergangenen Drehtage nachließ, so richtig ausgebrochen. Heiße Bäder, Massagen und Ruhe hatten nichts bewirkt. Von Fieber und Schnupfen geplagt benachrichtigte er spät abends die Produktionsleiterin, Annette Schilling.

Große Aufregung. Die Produktion ist zwar versichert, wenn ein Schauspieler ausfällt und deshalb ein Drehtag verschoben werden muss – aber ein so großes Team an einem anderen Tag erneut zusammenzubringen, macht unglaublich viel organisatorische Arbeit. Ganz abgesehen davon, dass damit der gesamte Zeitplan ins Rutschen gerät. Die Produktionsleiterin, Annette Schilling, denkt über eine Alternativlösung nachAußerdem war es zu spät, um den Samstag abzusagen, denn bereits um 5.30 Uhr sollten die Vorbereitungsarbeiten am Drehort in Düren beginnen. Also Krisentelefonat Freitagnacht zwischen Annette Schilling und mir. Das Ergebnis: Ich fahre Samstag früh mit Bjarne zum Arzt, Annette Schilling wie geplant zum Drehort. Ganz gleich, ob Bjarne später wird arbeiten können oder nicht – wir wollen auf jeden Fall schon einmal die Einstellungen drehen, in denen Bjarne nicht gebraucht wird.

Bjarne ist warm eingepackt, als er mir in der Hotellobby entgegenkommt. Wir haben Glück, wir sind die Ersten in der Notarztpraxis. Als Bjarne aus dem Behandlungszimmer zurückkommt, hat er ein Rezept in der Hand und meint, wir sollten jetzt zum Drehort fahren. Ob er denn wirklich arbeiten könne, frage ich noch einmal. Bjarne nickt. Ich rufe Annette Schilling an – große Erleichterung. Dann machen wir uns auf den Weg nach Düren – mit einem Zwischenstopp bei der Apotheke und bei einem Bäcker: Mineralwasser und ein Brötchen mit Salami – Bjarne frühstückt heute bei mir im Auto.

Der Adler hängt im Sumpf festEs ist kalt in Düren, die Szenerie gespenstig. Eine wassergefüllte Senke inmitten einer großen Grünfläche. Birkenstämme ragen weiß in den Himmel. Die Kronen sind abgebrochen, die Bäume schon lange abgestorben, weil sie mit den Wurzeln im Wasser stehen. Eine wichtige Szene wird hier gedreht: Der Adler steht in der Sumpfsenke, rundherum Wasser, Pflanzen und unwägbares Gelände. Fräulein Stinnes stochert mit einer Stange im Wasser und Schlick, um festzustellen, ob es möglich ist, mit dem Wagen weiter zu fahren. Heidtlinger, der Mechaniker, will nicht mehr mitmachen. Er will sein Leben nicht weiter für dieses „Scheißunternehmen“ aufs Spiel setzen.

Harte Drehbedingungen im WasserFür Schauspieler und Team keine einfache Aufgabe. Mit wadenhohen Gummistiefeln waten sie durch die Senke, bauen die Kameras auf und suchen die beste Position. Damit das Team und die Schauspieler nicht so lange im kalten Wasser herumstehen müssen, hat die Produktionsleitung eine zweite Kamera genehmigt – das bedeutet, dass jeweils zwei unterschiedliche Perspektiven gleichzeitig gedreht werden können. Das spart Zeit. Außerdem gibt es heute zusätzlich einen Wohnwagen mit warmer Dusche – zum Aufwärmen für zwischendurch.

Gesundes Frühstück am SetSandra Hüller ist bereits geschminkt und im Kostüm, als ich mit Bjarne am Set ankomme. Sie steht am Cateringwagen und frühstückt. Bjarne verschwindet sofort im geheizten Maskenwagen. In der Senke trifft das Team die letzten Vorbereitungen für die erste Probe. Der Drehtag ist gerettet – mit nur ein wenig Verspätung, aber durch die zweite Kamera, wird die verlorene Zeit schnell wieder eingeholt. Annette Schilling und ich holen nun in Ruhe unser ausgefallenes Frühstück nach.

Geschrieben von Uli Veith — Mo 3.März 2008, 15:47