Eine Produktion von taglicht media

Statements zum Film

Statement der Regisseurin Erica von Moeller

Regiesseurin Erica von Moeller bei den Dreharbeiten in MarokkoSchon als mir der Produzent Bernd Wilting das Projekt vorstellte, habe ich unmittelbar für diese faszinierende Frau und das Projekt Feuer gefangen. Durch die eingehende Beschäftigung mit dem bestehenden Material – dem Original-Dokumentarfilm „Im Auto durch zwei Welten“, den Tagebüchern und den vielen phantastischen Fotos - ist diese Geschichte für mich in mehrfacher Hinsicht zu einem persönlichen Anliegen geworden.

Ich komme aus einer Familie mit starken Frauen, denen es wichtig war und ist, in ihren Berufen etwas zu bewegen. Meine Großmutter beispielsweise hatte schon in den 20er Jahren einen Beruf: sie war Ärztin, und meine Mutter ist eine der ersten Frauen, die in Amerika Volkswirtschaft studiert und auf diesem Gebiet geforscht haben. In all meinen Filmen geht es um starke Frauenfiguren, die in ihrem Handeln traditionelle Rollenbilder hinterfragen.

Die Kombination von Archivmaterial, Fotos, Tagebuchaufzeichnungen UND der Möglichkeit zu inszenieren, bedeutet die konsequente Weiterentwicklung meiner bisherigen Filmarbeit. Sie verbindet meine Tätigkeit als Dokumentarfilmerin mit der Arbeit an meinen Spielfilmen. Mich interessiert die innere Bewegung einer Frau aus gutem Hause, die auszieht, das Fürchten zu lernen. Ich möchte verstehen, wie diese Frau beschaffen ist und was sie angetrieben hat, immer wieder ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Ihre strategische Planung und ihr Umgang mit den Medien faszinieren mich. Wie haben die Reise und die überwundenen Gefahren sie verändert? Ich will den Blick auf eine der ersten Weltbürgerinnen richten, die im Sinne der Völkerverständigung die Welt bezwingen will; denn „mit der gelungenen Umrundung mit dem Auto ist die Welt kleiner geworden“.

In den Tagebüchern, aber auch in dem Dokumentarfilm ist das Herzstück der Reise die Fahrt durch Russland über die Mongolei nach China. Hier wird Clärenore Stinnes aus ihrem Temporausch gerissen. Sie muss erkennen, dass der sibirische Winter auch durch noch so viel Willenskraft nicht zu bezwingen ist. Hier entkommen sie den gefährlichen Räuberbanden, die keine Moral und keine Gnade kennen. Hier bereiten ihnen die Autos, die ständig im Matsch und Schnee stecken bleiben, besondere Probleme, weil das Material bricht und notdürftig zusammengeflickt werden muss. Für meinen Dokumentarfilm „Sainkho“ habe ich diese Gegend aus eigener Anschauung kennen gelernt und weiß, welche Magie in dieser für uns immer noch fremden Welt steckt.

Nach der Überwindung all dieser übermenschlichen Strapazen geht der Film mit einer noch größeren Hürde weiter: die Anden in Peru scheinen mit ihren messerscharfen Steinen unbezwingbar für die Autos. Nicht genug, ein lebensbedrohlicher Schüttelfrost befällt Carl-Axel. Keine Hilfe weit und breit. Clärenore pflegt den delirierenden Schweden, ihren treuen Kameraden, ohne zu wissen, wie sie ihm wirklich helfen kann. Sie wagt ein Experiment und rettet sein Leben. Es ist diese Verbindung einer abenteuerlichen und exotischen Weltreise auf der einen und einer Liebesgeschichte auf der anderen Seite, die mich als Regisseurin reizt.

Statement des Produzenten Bernd Wilting

Der Produzent Bernd WiltingDie Geschichte von Clärenore Stinnes und ihrer Weltreise mit dem Auto ist eine Geschichte, von der man hört und unwillkürlich sagt: „Das gibt’s doch gar nicht.“ 1927! Und im nächsten Moment: „Das habe ich gar nicht gewusst.“ So ging es mir jedenfalls, als mir die Geschichte zum ersten Mal begegnete. Dann ging das Staunen weiter, Staunen darüber, dass es tatsächlich bis heute keinen Film darüber gibt. Nicht mal eine Dokumentation über diese starke deutsche Frau und ihr Wahnsinnsprojekt. Dabei gibt es ja sogar Originalfilmmaterial von der Reise, jenen Film „Im Auto durch zwei Welten“, der 1931 in den deutschen Kinos lief, gedreht von Carl-Axel Söderström, dem späteren Ehemann der Stinnes. Was für ein Schatz!

Bald begriff ich, dass auch noch andere auf die Geschichte gestoßen waren und sich um die Verwertungsrechte an der Geschichte und dem Film von 1931 bemühten. Um eine lange Geschichte abzukürzen: Wir konnten die Erben, die Kinder von Söderström/Stinnes, davon überzeugen, dass wir die Geschichte ihrer Eltern nicht verkitschen würden. Denn das war ihre größte Angst, achtzig Jahre nach der Reise und 18 Jahre nach dem Tod der Mutter, die bis zu ihrem Ende die starke Frau im Haus geblieben ist. Das Vertrauensverhältnis zu den Kindern der Söderströms ermöglichte es uns auch, die Rechte an über 1000 Fotos zu erwerben, die Söderström seinerzeit gemacht hat, und an den ausführlichen Tagebüchern, die beide während ihrer Reise geschrieben haben.

Ich bin sehr froh, dass wir mit dem WDR und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, die „Fräulein Stinnes…“ in die Reihe ihrer „Worldwide“-Projekte einordneten, zwei Partner gewinnen konnten, die den Film mit all ihrer Kraft und Seriosität unterstützen. Clärenores und Carl-Axels Geschichte enthält ja alles, was man für einen spannenden Film braucht: Abenteuer, Exotik und Liebe. Aber wer könnte der/die Richtige sein, diesen Schatz kreativ zu heben? Bei der Zusammenstellung des kreativen Teams waren mir zwei Dinge wichtig: Es muss sich um Leute handeln, die das besondere Maß an Leidenschaft und Beharrlichkeit nachempfinden können, mit dem Stinnes und Söderström es geschafft haben, dieses wahrhaft historische Abenteuer durchzustehen. Und: die Schlüsselpositionen sollten mit Frauen besetzt sein. Beide Ziele zu erreichen gelang uns mit der jungen talentierten Absolventin der Kunsthochschule für Medien (KHM), Erica von Moeller, für die Regie und an ihrer Seite die erfahrene Kamerafrau Sophie Maintignieux. Besonders froh bin ich auch, dass wir mit Sandra Hüller nicht nur eine der aufregendsten jungen deutschen Schauspielerinnen für die Hauptrolle gewinnen konnten, sondern auch noch jemanden, der äußerlich – und inzwischen kommt es mir so vor, auch innerlich – der Clärenore Stinnes von 1927 sehr ähnlich ist.

So beginnen wir die Reise von 2008 nun also mit einem Team aus starken, selbstbewussten und leidenschaftlichen Frauen und ebensolchen Männern an ihrer Seite, allen voran dem dänischen Fernseh- und Kinostar Bjarne Henriksen, der die Rolle des Carl-Axel Söderström übernimmt, dessen distanzierte Annäherung an die „Frau aus Stahl“ (Söderström) in dem Tagebuchsatz gipfelt: „Heute hat mir Fräulein Stinnes das Du angeboten“. Aber da ist noch nicht einmal die Hälfte der Reise vorbei, es passiert noch so einiges. Aber das wird nicht verraten…