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Fräulein Stinnes Kurzbiografie

Clärenore Stinnes und ihr Vater

Originalbild: Porträt von Clärenore StinnesClärenore Stinnes wird am 21. Januar 1901 in Mülheim/Ruhr als drittes von sieben Kindern der Eheleute Cläre Stinnes-Wagenknecht (1872-1973) und Hugo Stinnes (1870-1924) geboren. Die Familie ist vermögend. Der Vater leitet einen großen Konzern der Schwerindustrie. Im Kindesalter muss die Tochter ihre Ellbogen einsetzen, um sich gegen ihre Brüder behaupten zu können. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ihr selbstverständlich. So legt sie im Alter von 18 Jahren ihre Führerscheinprüfung ab, in einer Zeit, als das Auto noch kein Allerweltsgegenstand ist.

Ihrem Vater steht sie näher als ihrer Mutter. Der sehr sparsam lebende und nicht auf Äußerlichkeiten achtende Vater vermittelte ihr nicht nur seine Wirtschafts- und Lebensprinzipien, sondern er erzieht sie zu einer selbstbewusst-kritischen und eigenverantwortlich handelnden Persönlichkeit. Er hatte seinen Konzern bereits vor dem Ersten Weltkrieg modern vertikal strukturiert, hatte also die Kohleförderung mit der Hüttenproduktion und dem Verkauf der Stahlwaren verbunden. In Zeiten der industriellen Hochproduktion ein äußerst erfolgreiches Geschäftsmodell.

Wahrscheinlich hätte sie an der Seite ihres Vaters im Stinnes-Konzern weiter gearbeitet, wenn der Vater nicht 1924 im Alter von 54 Jahren überraschend gestorben wäre. Zuvor war sie in seinem Auftrag 6 Monate in Südamerika gewesen, hatte Sprachen gelernt und ihm als „Sekretärin“ gedient. Nach dem Tod ihres Vaters drängen sie die Brüder aus dem Familienkonzern, der wenig später auf Grund hoher Kreditverpflichtungen entflochten und veräußert wird. Was der Vater in dreißig Jahren aufgebaut hat, zerfällt unter den Händen seiner Söhne in kürzester Zeit.

Clärenore Stinnes – eine starke Frau in Berlin

Nach dem Tod ihres Vaters zieht Clärenore nach Berlin, wo sie die Gesellschaft mit ihrem rauen Charme und eisernen Willen beeindruckt. 1924 fährt sie ihr erstes Autorennen unter einem Pseudonym. In den Jahren 1925-1927 gewinnt sie bei 17 Autorennen, darunter auch eine internationale Rallye in Russland („Allrussische Prüfungsfahrt“) auf der Strecke Leningrad-Moskau-Tiflis-Moskau, an der sie als einzige Frau unter 53 Teilnehmern teilnimmt. „Sie wären“, sagt der Stummfilmregisseur Friedrich Wilhelm Murnau zu ihr, „die ideale Besetzung der Jungfrau von Orléans.“ Ein befreundeter Journalist beschreibt Clärenore Stinnes 1927: „Sie trägt Hosen, ist klein und niedlich, wirkt wie eine Studentin, raucht in einem fort Zigaretten, und sie lacht gern und viel“.

Originalbild: Carl-Axel Söderström und Clärenore StinnesAm 1. März 1927 sichert ihr die Direktion der Adler-Werke ein neues Auto zu (Adler Standard 6), der ihr am 24. Mai 1927 bereitgestellt wird. Für ihre Weltreise hat Clärenore Geld in der Industrie eingeworben. Insgesamt 100.000 Reichsmark stehen ihr zu Verfügung. Ihre Familie hat dazu aber nichts beigetragen. Am 25. Mai 1927 startet sie in Frankfurt am Main zu der Expedition, die sie durch 23 Länder führen wird und die am 24. Juni 1929 mit der Ankunft in Berlin endet.

20. Dezember 1930 heiratet Clärenore Stinnes Carl-Axel Söderström. Aus der Ehe gehen eine Tochter und zwei Söhne hervor. 1931 zieht die Familie nach Schweden, wo sie sich in den Kriegsjahren in der schwedischen Landesverteidigung engagiert. Am 27. November 1976 stirbt ihr acht Jahre älterer Mann. Drei Jahre nach seinem Tod findet Clärenore Söderström die vier Tagebücher, die ihr Mann während der Reise geschrieben hat. Sie stirbt am 7. September 1990 in Schweden.